LGIM: im Vergleich zur Solarbranche sind die Hersteller von Windenergieanlagen stärker von steigenden Zinssätzen, Materialmangel und unter Druck stehenden Lieferketten betroffen.
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Aanand Venkatramanan, Head of ETFs bei LGIM
Was sollten Anleger darüber wissen und bei ihren Investmententscheidungen in Betracht ziehen?
„Die Coronalage in China und die Situation in der Ukraine haben zu einer Verknappung von Rohstoffen und Komponenten geführt, was unweigerlich Folgen für die Hersteller von Windkraftanlagen hat. 2020 war China mit 51 Millionen Tonnen der führende Stahlexporteur, gefolgt von Japan mit 30 Millionen Tonnen und Russland mit 29 Millionen Tonnen (Quelle: Statista 2022). Die Stahlpreise und Transportkosten stiegen 2021 sprunghaft an und entwickelten sich aufgrund der oben genannten Ereignisse volatil. Dies wirkte sich unmittelbar auf die Herstellungskosten von Windturbinen aus. Denn 84 Prozent des Materialgewichts einer Turbine entfällt auf Stahl (Quelle: Bloomberg, Mai 2022). Und: Die Turbinen machen 64 bis 84 Prozent der Gesamtkosten einer typischen Onshore-Windenergieanlage aus (Quelle: Blanco 2009 und EWEA 2009).
Zwei Beispiele: *Siemens Energy hat seine Jahresprognose für 2022 gesenkt, da das Unternehmen weitere Rohstoffpreiserhöhungen, anhaltende Schwierigkeiten mit den Lieferketten und eine hohe Inflation erwartet, die die Margen im Turbinensegment unter Druck setzen. Nichtsdestotrotz hat Siemens Energy seinen Anlagenbestand erhöht und weiter investiert, um seine Führungsposition auf dem Offshore-Windmarkt zu halten.
*Vestas ist einer der am stärksten in China engagierten Hersteller. Dort hat das Unternehmen seine größte Produktionseinheit und sein größtes Materialbeschaffungszentrum. Da die Umsätze parallel zu den Kosten gestiegen sind, hat Vestas beschlossen, mehr Gewicht auf langfristige Verträge mit seinen Zulieferern zu legen, um sich gegen steigende Kosten in Zukunft besser abzusichern.
Zur aktuell schwierigen Lage hinzu kommt, dass Windenergiesysteme komplex sind und die politischen Rahmenbedingungen zu größeren Verzögerungen als bei Solarenergie führen. So haben Windkraftprojekte längere Vorlaufzeiten. Während Solarprojekte innerhalb eines Jahres abgeschlossen werden können, kann die Inbetriebnahme von Windenergieprojekten bis zu fünf Jahre ab dem Zeitpunkt der Projektankündigung dauern. Außerdem ist die Windenergie im Vergleich zur Solarenergie stärker standortabhängig, so dass die Netzanbindung relativ gesehen teurer sein kann. Schließlich wirkt sich der Anstieg der Zinssätze direkt auf die Kapitalkosten aus und beeinträchtigt die Verhandlungsposition der Käufer von neuen Wind- und Solaranlagen (Quelle: JPM Research, April 2022).
Trotz dieser aktuellen Widrigkeiten sehen wir langfristig weiterhin Potenzial für Windkraftanlagen im Rahmen der Energiewende: Laut Global Wind Report 2022 beläuft sich die durchschnittliche jährliche Wachstumsrate für Onshore-Windkraft zwischen 2022 und 2026 auf 6,1 Prozent. Unserer Meinung nach sollten ETF-Anleger trotzdem immer auf einen guten Mix aus verschiedenen alternativen Energieträgern setzen – sei es Solar, Wind, Biomasse, Wasserkraft oder Geothermik.
Quelle : ETFWorld
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