Invesco : ETFs gelten als einfach, kostengünstig und effizient – zurecht. Doch auch bei der vermeintlich «passiven» Geldanlage können Anleger Fehler machen – und die könnten teuer werden.
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Von Dimitri Bellas, ETF-Experte Invesco Schweiz
Wer planlos investiert, riskiert unnötige Verluste oder verpasste Chancen. Zudem sollten Anleger bedenken, dass sie unter anderem aufgrund von Wechselkursschwankungen möglicherweise nicht die volle Investitionssumme zurückerhalten. Ein Fehler, den viele begehen: Sie meiden synthetische ETFs und verschenken damit möglicherweise attraktive Steuervorteile. Neben diesem Missverständnis gibt es jedoch noch weitere Stolperfallen. Wir zeigen die häufigsten Fehler beim Kauf von ETFs auf – und wie du sie vermeiden kannst.
Gesamtkosten sind nicht alles
Grundsätzlich gilt: Wer weniger Gesamtkosten (TER) bezahlt, hätte mehr von seinem Investment. Doch gerade bei ETFs ist das nicht zwingend der Fall. Denn neben der TER spielen weitere Faktoren eine Rolle – insbesondere die sogenannte Tracking Difference, also wie exakt ein ETF seinen Referenzindex abbildet. Ein ETF mit etwas höherer TER kann unter dem Strich dennoch besser abschneiden, etwa weil er effizienter handelt, steuerliche Vorteile nutzt oder durch intelligentes Management geringere Reibungsverluste hat.
Kann Zinseszins reich machen?
Die meisten ETFs reinvestieren die Dividenden, die sie aus den im Fonds enthaltenen Aktien erhalten. Dadurch profitierten die Investoren vom Zinseszinseffekt: Wenn Dividenden automatisch wiederangelegt werden, wächst nicht nur das ursprüngliche Kapital, sondern die Dividenden werfen künftig selbst wieder Erträge ab.
Allerdings werden Dividenden – je nach Fondsstruktur – erst nach Abzug möglicher Quellensteuern reinvestiert. Diese Abzüge unterscheiden sich je nach Ursprungsland der Aktien und Domizilland des ETFs – also dem Land, wo der ETF aufgelegt wurde. So gelten in Europa insbesondere Irland und Luxemburg als besonders steuergünstige Länder, was ETFs betrifft. Die Attraktivität des ETF-Domizils hängt jedoch auch von den Aktientitel ab, die im Index abgebildet werden.
Irland: Das Steuerparadies der ETFs
Investoren sollten bei der Auswahl eines ETFs nicht nur auf die Steuerrechte des Domizillandes achten, sondern auch auf den Standort der indexierten Aktientitel. Gerade bei ETFs mit einem hohen Anteil an US-Aktien gibt es grosse Unterschiede, was die Besteuerung der Dividenden betrifft: Nicht jedes Domizilland zahlt denselben Steuersatz auf US-Dividenden. Während alle in Europa registrierten ETFs 30 Prozent Quellensteuer auf US-Dividenden entrichten müssen, sind irisch domizilierte ETFs im Vorteil: Aufgrund eines Doppelbesteuerungsabkommens zwischen Irland und den USA fällt hier nur ein Steuersatz von 15 Prozent an.
Diese Steuerersparnis kann innerhalb des ETFs reinvestiert werden – was langfristig das Potenzial für eine höhere Gesamtrendite bietet. Besonders bei breit gestreuten US-Indizes wie zum Beispiel dem S&P 500 ist dieser Effekt nicht zu unterschätzen.
Mit synthetischen ETFs auf US-Aktien zahlst du gar keine Steuern
Synthetische ETFs hatten lange Zeit nicht gerade den besten Ruf. Statt tatsächlich in die Aktien des Referenzindexes zu investieren, bilden sie die Rendite des Indexes mithilfe sogenannter Swap-Deals nach. Der ETF-Anbieter vereinbart mit einem Kontrahenten, dem Swap-Partner, dass dieser im Tausch gegen eine Gebühr die Indexrendite inklusive Dividendenzahlungen liefert. Früher wurden oftmals auch völlig andere Papiere in die synthetischen ETFs abgebildet als die ursprünglichen Indexbestandteile. Heutzutage ist das in der Regel nicht mehr der Fall, so dass sie in Sachen Risiko den physischen ETFs ebenbürtig sind.
Für viele Anleger erscheint dieses synthetische Konstrukt jedoch zu komplex oder riskant – insbesondere wegen des Kontrahentenrisikos. Dabei könnten sie einen wichtigen Vorteil übersehen: Synthetische ETFs sind so ausgelegt, um bei ausländischen Dividenden – insbesondere bei US-Aktien – erhebliche Steuervorteile zu bieten.
Weil sie die Erträge über den Swap erhalten und nicht direkt in die US-Aktien investieren, fällt bei synthetischen ETFs keine US-Quellensteuer auf Dividenden an. Das kann ihre Netto-Performance im Vergleich zu physischen ETFs deutlich verbessern. Doch aufgepasst: Die steuerlichen Vorteile gelten vorwiegend für US-Aktientitel.
Einige synthetische ETFs könnten langfristig zu einer höheren Performance führen
Wer beispielsweise über einen ETF in US-Aktien investiert, liegt mit einem synthetischen Produkt oft besser. Da diese keine «realen» US-Aktien halten, sondern über einen sogenannten Future, sind sie von der Quellsteuer auf US-Dividenden komplett befreit. Dies könnte langfristig zu einer höheren Akkumulation von Dividenden und einer möglichen Outperformance gegenüber herkömmlichen ETFs und gegenüber dem Referenzindex führen. Wer lieber mit physischen ETFs handelt, sollte zumindest darauf achten, dass sein ETF in Irland domiziliert ist.
Synthetische ETFs sind vor allem bei Indizes mit hohem US-Anteil attraktiv – etwa dem S&P 500 oder Nasdaq 100. Bei europäischen oder global breit gestreuten Indizes fällt dieser Vorteil geringer aus, da andere Quellensteuern ins Spiel kommen.
Quelle : ETFWorld.ch
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