Reyl Market Insight : Die Welt der Vermögensverwaltung befindet sich in einem rasanten Wandel, der von technologischen Innovationen und neuen Bedürfnissen der Anleger angetrieben wird. ETFs sind zu einer einzigartigen Gelegenheit für Vermögensverwalter geworden.
Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter
Philippe Steffen Managing Director – Head of Operations at REYL Intesa Sanpaolo
In den letzten Jahren sind die Investitionen in ETFs sprunghaft angestiegen. 2024 war mit 247 Milliarden Euro ein Rekordjahr für ETF-Zugänge auf dem Markt; es übertrifft sogar den bisherigen Rekord von 159 Milliarden Euro im Jahr 2021.
Ein verschärfter Rechtsrahmen
ETFs sind mittlerweile stark reguliert, insbesondere in Europa durch die OGAW-Richtlinie, die strenge Regeln für Transparenz, Diversifizierung und Anlegerschutz vorschreibt. In den USA, dem grössten Markt für ETFs, werden diese Produkte von der SEC beaufsichtigt. Dank dieser soliden Regulierung haben ETFs das Vertrauen von Einzelpersonen und Institutionen gewonnen.
Laut dem jüngsten Bericht von Carne, Keeping Track, erkennt eine sehr grosse Anzahl (über 80%) institutioneller Manager an, dass ETF-Anleger von einer kurzfristigen Asset Allocation-Strategie zu einer Kernportfoliobestand wechseln.
Heute bieten bereits fast 90% der Manager von Aktien- und Anleihenfonds ETFs an und erklären, dass diese für die Zukunft ihres Unternehmens von entscheidender Bedeutung sind.
Aktive ETFs führen den Kampf an
Lange Zeit herrschte die Vorstellung vor, dass ETFs einfach börsennotierte Indexfonds sind, die die Wertentwicklung eines Referenzindexes nachbilden. Diese Vorstellung muss nun etwas revidiert werden, da die aktiven ETFs ausser Acht gelassen werden.
Im Gegensatz zu passiven ETFs bieten aktive ETFs Portfoliomanagern die nötige Flexibilität, um diskretionär zu entscheiden, was sie kaufen, verkaufen oder halten sollen, mit dem Ziel, einen Referenzindex zu übertreffen oder ein bestimmtes Anlageziel zu erreichen. So können sie ihre Anlagemöglichkeiten effizient erweitern.
Transparenz, Liquidität und Rentabilität
Die wachsende Beliebtheit von ETFs ist das Ergebnis von drei Schlüsselelementen. Erstens Transparenz, da ETFs täglich eine Liste ihrer zugrunde liegenden Vermögenswerte veröffentlichen müssen, wodurch Anleger ein klares und vollständiges Bild ihrer Investitionen erhalten. Zweitens Liquidität, da ETFs kontinuierlich gehandelt werden können, wodurch Anleger schnell auf Marktveränderungen reagieren können. Und drittens die Rentabilität, da diese Instrumente in der Regel niedrigere Gebühren haben als herkömmliche, aktiv verwaltete Fonds.
Ein weiteres wichtiges Argument ist, dass ETFs gehebelt werden können, wodurch sich die Anlagestrategie noch weiter verfeinern lässt.
Janus Henderson, einer der weltweit führenden traditionellen Fondsmanager, hat nun die Londoner Firma Tabula, die seit 2018 auf ETFs spezialisiert ist, integriert und so Janus Henderson Tabula gegründet. Andere Marktführer wie Aberdeen, J.P. Morgan Asset Management, BNP Paribas Asset Management, Robeco oder State Street bringen regelmässig aktive ETFs auf den Markt.
ETFs oder tokenisierte Fonds – wer wird sich durchsetzen?
Obwohl sie das gemeinsame Ziel haben, Anlagen zugänglicher, transparenter und effizienter zu machen, beruhen ETFs und tokenisierte Fonds auf sehr unterschiedlichen Logiken. (En citation : ETfs und tokenisierte Fonds beruhen auf sehr unterschiedlichen Logiken.
Die Tokenisierung, bei der ein Anteil an einem Investmentfonds in Form eines digitalen Tokens auf einer Blockchain abgebildet wird, ermöglicht eine automatisierte, nachvollziehbare und potenziell sofortige Verwaltung von Transaktionen. Sie stellt mittlerweile eine Alternative zu ETFs dar.
Mehrere andere Pionierinitiativen zeigen, dass die Tokenisierung auf dem Vormarsch ist. Franklin Templeton, einer der grössten Vermögensverwalter der Welt, hat 2023 einen Geldmarktfonds lanciert, dessen Anteile auf der Stellar-Blockchain registriert sind, was höhere Transparenz und schnellere Transaktionen ermöglicht.
Ebenso hat Forge, die Blockchain-Tochter der Société Générale, mehrere Anleihen und Anteile an tokenisierten Fonds ausgegeben, unter anderem auf Ethereum und Tezos. Sie erforscht auch die Interoperabilität mit herkömmlichen Banksystemen.
In naher Zukunft ist es wahrscheinlich, dass sich diese beiden Modelle nicht gegenseitig ausschliessen, sondern ergänzen, indem sie tokenisierte ETFs hervorbringen und so eine neue Generation von Hybridprodukten an der Schnittstelle zwischen klassischer Finanzwelt und Blockchain schaffen.
Koexistenz statt Ersatz
ETFs haben den Zugang zur Börse für Millionen von Anlegern demokratisiert. Die Tokenisierung von Fonds zielt darauf ab, noch einen Schritt weiterzugehen und die Struktur von Finanzprodukten völlig neu zu überdenken.
Traditionelle Fonds bieten massgeschneiderte Lösungen, die an komplexe Bedürfnisse angepasst werden können, wie z. B. für Rentenfonds oder institutionelle Mandate. Darüber hinaus verkaufen Bankene nach wie vor überwiegend klassische Fonds.
Zusammenfassend lässt sich sagen, dass ETFs und ihre tokenisierte Version klassische Investmentfonds wahrscheinlich nicht vollständig ersetzen werden. Sie werden jedoch neben den traditionellen UCITS-Fonds existieren und den Anlegern eine Reihe von Wahlmöglichkeiten bieten, die auf ihre individuellen Ziele, ihre Risikotoleranz und ihre Anlagestrategien zugeschnitten sind.
Quelle : ETFWorld
Newsletter





