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St. Galler Kantonalbank : Viel Unsicherheit – auch bei der Fed


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St. Galler Kantonalbank : Der geldpolitische Entscheid der Fed in der letzten Woche wird nicht als zinspolitisches Ereignis in die Geschichte eingehen.

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Von Dr. Thomas Stucki  CIO der St. Galler Kantonalbank


Die wichtigste Nachricht war, das Jerome Powell seinen Sitz als Governor der Fed nach dem Ende seiner Amtszeit als Vorsitzender nicht freigeben wird. Ansonstenprägte die Unsicherheit über die Dauer der Energiekrise und ihre Folgen für die Inflation und die Konjunktur den Bericht. Im März ist die Inflationsrate in den USA um fast 1% und damit stärker gestiegen als erwartet. Die Teuerung ist mit 3.3% bereits wieder auf einem unangenehm hohen Niveau.

Der durchschnittliche Benzinpreis in den USA ist auf 4.45 US-Dollar pro Gallone gestiegen. Das sind 1.70 US-Dollar mehr als noch im Januar. Beim Detailhandelspreis für Rindfleisch, der vor allem im letzten Jahr deutlich gestiegen ist, gibt es auch keine Entspannung. Entsprechend stark breitet sich bei den Amerikanern das Gefühl aus, dass «alles» teurer wird. Gemäss der Umfrage der University of Michigan erwarten sie in den nächsten zwölf Monaten einen Preisanstieg von 4.7%. Die hohe gefühlte Inflation der Konsumenten und Wähler ist vor allem für die Regierung ein Problem, während sie im Entscheidungsprozess der Fed nicht vernachlässigt, aber auch nicht zu stark gewichtet wird. Sie ist starken Schwankungen unterworfen und wird wieder abnehmen, wenn der Benzinpreis sinkt.

Inflationserwartungen an den Finanzmärkten gut verankert

Die Fed orientiert sich stärker an den mittelfristigen Inflationserwartungen, die sich aus den Preisen der inflationsgeschützten Anleihen herauslesen lassen. Der von der Fed bevorzugt Indikator zeigt in der mittleren Frist eine erwartete Inflation von 2.29% an. Das ist zwar mehr als Ende März, liegt jedoch in ihrem Komfortbereich. Das heisst nicht, dass die Inflationsgefahr von der Fed unterschätzt wird, aber eine voreilige Anpassung der Geldpolitik ist nicht angezeigt.

Spezielle Situation in der Fed

Die Dynamik in der Fed wird sich in den nächsten Monaten stark verändern. Stephen Miran, der nur durch seine konsequente Forderung nach einer Zinssenkung aufgefallen ist, wird durch den neuen Vorsitzenden Kevin Warsh ersetzt. Dieser wird eine Gratwanderung machen müssen. Einerseits darf er Trump nicht zu stark verärgern. Ansonsten würden dessen Angriffe auf die Unabhängigkeit der Fed noch zunehmen. Auf der anderen Seite muss er den Eindruck verhindern, dass er nach der Pfeife Trumps tanzt. Das würde seine Reputation im Gremium und an den Finanzmärkten untergraben. Die drei Vertreter der regionalen Fed-Ableger, die sich dem Hinweis auf mögliche Zinssenkungen in der Mitteilung nach dem letzten Zinsentscheid verweigerten, haben schon mal Stellung bezogen. Die Aufgabe für Warsh wird an Brisanz zunehmen, wenn aufgrund steigender Arbeitslosenzahlen eine Zinssenkung trotz erhöhter Inflation angebracht wäre. Ich gehe aber davon aus, dass sich Warsh in seinen ersten Sitzungen als Präsident nicht stark exponieren will und ein stabiler Leitzins die Folge sein wird.

Quelle: ETFWorld


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