St. Galler Kantonalbank : Dass die verschiedenen Unruheherde in der Welt sich gelegt hätten, kann man so nicht sagen. Durch die Strasse von Hormus fahren nur wenige Schiffe und der Waffenstillstand zwischen dem Iran und den USA wird immer wackeliger.
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Von Dr. Thomas Stucki CIO der St. Galler Kantonalbank
Lange wurde ein Unterbruch des Transportes von Erdöl und Erdgas aus dem Persischen Golf als grosse Gefahr für Weltwirtschaft und Aktienmärkte betrachtet. Momentan kümmert es die Anleger nicht. Die Angst vor der Inflation lässt die Rendite der 30-jährigen US-Staatsanleihe die Marke von 5% überspringen. Das ist ein Wert, der nach Trumps- Zollgewitter vor einem Jahr die Aktienmärkte zittern liess. Davon ist an den Börsen nichts zu spüren. Der S&P 500 ist neun Wochen lang in Folge gestiegen und hat in dieser Zeit 19% zugelegt. Der Swiss Perfomance Index hat in der gleichen Zeit 11% gewonnen.
Der Erdölpreis ist wieder gesunken. Die Versorgungslage aus dem arabischen Raum ist aber nicht besser geworden. Die Schäden an der Infrastruktur und der Unterbruch der Schiffstransporte werden die Weltwirtschaft länger belasten. Ein von der New York Fed berechneter Index für die globalen Lieferprobleme ist auf den höchsten Wert seit der Zeit nach Covid gestiegen. Zuvor wurde der aktuelle Wert nur nach der Atomkatastrophe von Fukushima 2011 erreicht. Die Unterneh- men reagieren darauf, indem sie versuchen, ihre Lager zu füllen. Das stützt die Wirtschaft, erhöht jedoch die Kosten. Die Meldungen über Lieferengpässe werden zunehmen, die Wirtschaft belasten und die Anleger verunsichern.
Halter von Obligation fürchten sich vor Zinserhöhungen
Die Inflationsraten steigen, insbesondere in den USA und in Grossbritannien. Die Obligationen reagieren mit höheren Renditen, die für die Wirtschaft belastend sind, insbesondere auch über hohe Hypothekarzinsen. Bisher wurde der Anstieg der Inflation durch die höheren Benzinpreise getrieben. Langsam nimmt der Inflationsdruck über die Zweitrundeneffekte auch in den anderen Bereichen zu. Diese Entwicklung werden die Notenbanken genau verfolgen, da dadurch die Gefahr steigt, dass der Preisschub nicht vorübergehend ist. Eine markante Zinserhöhungspolitik der Notenbanken steht nicht vor der Tür, kann aber auch nicht mehr ausgeschlossen werden.
US-Wirtschaft als Fels in der Brandung
Ein wichtiger Faktor für die Aktienmärkte ist der Zustand der US-Wirtschaft. Die amerikanischen Konsumenten sind verunsichert und jammern über die hohen Benzin- und Nahrungsmittelpreise, geben ihr Geld aber mit vollen Händen aus. Das gilt vor allem für diejenigen mit höheren Einkommen. Diese profitieren von steigenden Einkommen, den Steuerrabatten der Regierung und den hohen Aktien- und Immobilienpreisen. Der US-Arbeitsmarkt zeigt sich auch von der stabilen Seite. Der Schwung bei den neu geschaffenen Stellen hat zwar abgenommen. Die Zahl der offenen Jobs ist jedoch anhaltend hoch und die Arbeitslosenrate tief. Dazu kommen die grossen Investitionen der Firmen in die KI-Infrastruktur, die sich zu einem wesentlichen Faktor für die Konjunktur entwickelt haben. Dass die Wirtschaft in den USA gut läuft, zeigt sich auch den Geschäftszahlen der US-Firmen. Fast alle haben im ersten Quartal die hohen Erwartungen der Analysten übertroffen.
Aktien ja, aber nicht «all-in»
Die Weltwirtschaft wird die Folgen der Schliessung der Strasse von Hormus überstehen. Nach einer Delle wird das Wachstum wieder stärker werden. Dass die Delle nicht zu stark ausfällt, ist der amerikanischen Wirtschaft zu verdanken. Wer an diesem Wachstum der Weltwirtschaft und am Rebound nach dem Ende der Krise im Nahen Osten teilhaben will, kommt um ein gut diversifiziertes Aktienportfolio nicht herum. Aktien in der Breite zu verkaufen, ist daher nicht angebracht. In Titeln, deren Kurs in den letzten Wochen stark gestiegen ist, kann man ein Abschöpfen der Gewinne in Betracht ziehen. Das reduziert das Risiko des Portfolios und gibt ein gutes Gefühl.
Quelle: ETFWorld
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