St. Galler Kantonalbank : Gibt es eine KI-Blase und wenn ja, wann platzt diese? Diese Fragen beschäftigen die Finanzmärkte seit längerem.
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Von Dr. Thomas Stucki ist CIO der St.Galler Kantonalbank
Dass die Investitionen in die KI-Infrastruktur zu einem dominanten Faktor an den Börsen und auch in der Realwirtschaft geworden sind, ist eine Tatsache. Ob es sich dabei um eine Blase handelt, ist dagegen Ansichtssache mit Argumenten pro und contra. Dass es sowohl bei den KI-Aktien als auch beim realen KI-Boom irgendwann zu Enttäuschungen kommt, ist dagegen fast sicher. Verluste bei den Aktien und bei den Investitionen sind dann normal. Wie stark die Folgen für die Börse und die Wirtschaft sein werden, hängt aber von verschiedenen Faktoren ab.
Negativ ist, dass die Hebelwirkung im System, sowohl in der KI-Wirtschaft als auch an den Finanzmärkten, aktuell immer weiter aufgebaut wird. Dazu gehören die gegenseitigen Beteiligungen der Firmen im KI-Bereich und die zunehmende Fremdfinanzierung der Investitionen in die KI-Infrastruktur. Nach mehreren Jahren mit einer positiven Performance an den Finanzmärkten steigen die Ansprüche und die Sorglosigkeit der Investoren. Die Anbieter von Finanzprodukten bauen in der Folge mehr Leverage in ihre Produkte ein, um diesen Ansprüchen zu genügen und sich von der Konkurrenz abzuheben. Je mehr Leverage im System ist, umso schwieriger wird es jedoch, die Folgen und die Reichweite von Kursverlusten zu kontrollieren.
Trugschluss der Liquidität
Ein zweiter Fehler, den die Finanzindustrie und die Anleger immer wieder machen, ist die Verpackung illiquider Anlagen in scheinbar liquide Finanz-instrumente. Das aktuelle Beispiel sind die Privatkredite, welche in den Private Debt-Fonds den institutionellen und privaten Investoren als Heilmittel gegen tiefe Renditen klassischer Obligationen angeboten werden. Irgendwann bekommen die Investoren nach einem Vorfall kalte Füsse und versuchen, aus diesen Produkten auszusteigen. In der Folge wird der Ausgang geschlossen und die Anbieter versuchen, die illiquiden Anlagen zu jedem Preis abzustossen.
Wer verliert?
Bei der Beurteilung der möglichen Folgen einer KI-Blase ist wichtig, wo die Verluste anfallen. Die Auswirkungen von Subprime und der Dot-Com-Blase waren so gross, weil viele dieser Papiere in den Bilanzen der Banken aufgetaucht sind. Die Verluste haben damit direkt auf das Eigenkapital und das Vertrauen in diese Institute durchgeschlagen. Bei den KI-Produkten ist dies nicht der Fall. Verlieren würden in erster Linie Anlagefonds und Investoren ausserhalb des Bankensektors. Wie stark die Banken indirekt, beispielsweise über
Lombardkredite, engagiert sind, ist schwierig abzuschätzen. Dass das Finanzsystem als Ganzes unter Druck kommen würde, ist aber weniger wahrscheinlich.
Was passiert mit der Realwirtschaft?
Bei einem Finanzschock ist schwer vorherzusagen, welche Anlagen im ersten Moment wie viel verlieren. Das klassische Beispiel ist ein sinkender Goldpreis, wenn die Investoren Gold verkaufen, um Margenforderungen in anderen Instrumenten zu erfüllen. Diese Kurschwankungen sind von vorübergehender Natur und korrigieren sich wieder aus. Wie gross die mittel- und langfristigen Schäden sind, hängt davon ab, ob die Wirtschaft in eine schwere Rezession fällt und wie lange diese dauert. Bei Dot-Com waren es mehrere Jahre. Nach der Finanzkrise 2008 haben die Zentralbanken rasch mit markanten Zinssenkungen und Liquiditätshilfen reagiert und damit die Dauer der Rezession kurz halten können. Sollte durch das Platzen einer KI-Blase die Wirtschaft stark unter Druck geraten, würden die Zentralbanken erneut rasch reagieren. Viele Leute würden viel Geld verlieren, aber das System als Ganzes wird dadurch weniger durchgeschüttelt.
Quelle: ETFWorld
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