St. Galler Kantonalbank : Eurokrise 2.0?

St. Galler Kantonalbank :  Der starke Anstieg der vom Markt verlangten Risikoprämie für französische Staatsanleihen gegenüber den deutschen Bundesanleihen hat die Frage nach einer neuen Eurokrise aufkommen lassen.

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Von Dr. Thomas Stucki ist CIO der St.Galler Kantonalbank


Bei den 10-jährigen Anleihen stieg der Aufpreis innert Kürze von 0.80% auf 1.40% und hat sich dort eingependelt. Der «Strafzins» Frankreichs ist damit höher als derjenige Italiens oder Griechenlands. Darunter hat auch der Euro gelitten, dessen Kurs zum Franken von knapp 0.95 auf 0.93 zurückgefallen ist. Der kurzfristige Chart mit dem exponentiellen Anstieg der französischen Risikoprämie sieht dramatisch aus. Diese Entwicklung gilt es aber zu relativeren. 2011 stieg die Risikoprämie italienischer Anleihen von 1.2% auf 5.5%. Spanien musste 6.5% mehr Zins zahlen als Deutschland und Griechenland wurde mit einem Renditeaufschlag von 35% faktisch als zahlungsunfähig erklärt. Der Euro sank zum Franken von 1.50 Anfang 2010 ungebremst auf 1.04, bevor die SNB im September 2011 den Euromindestkurs von 1.20 in Kraft setzte. Was folgte, ist bekannt: Die griechischen Anleihen wurden umgeschuldet und Mario Draghi setzte der Eurokrise im Sommer 2012 mit seinem «whatever it takes» ein Ende. Von diesen Verhältnissen sind wir weit entfernt. Weder ist Frankreich zahlungsunfähig, noch befindet sich der Euro im ungebremsten Sturzflug.

Konzentration auf Frankreich

Während der Eurokrise wurden alle südlichen Euroländer in Frage gestellt. Aktuell konzentriert sich die Angst der Investoren auf Frankreich. Dort ist die Situation allerdings schwierig. Die Schulden steigen und haben mittlerweile 116% des BIP erreicht. Problematisch ist das Budgetdefizit von rund 5% des BIP, welches von einem schwachen nominalen BIP-Wachstum von 1.9% nicht aufgefangen werden kann. Die Schuldenquote wird weiter steigen, da kein politischer Wille für schmerzhafte Sparmassnahmen zu erkennen ist. Die populistischen Parteien an beiden Enden des Spektrums überbieten sich im Vorfeld der Präsidentschaftswahlen vom nächsten Jahr vielmehr mit dem Versprechen, noch mehr Geld zu verteilen. Die aktuellen Bilder der Jugendproteste und die Hilflosigkeit der Regierung hinterlassen auch kein Bild eines stabilen und zuverlässigen Schuldners.

Grundprobleme der Eurozone sind ungelöst

Für eine neue Eurokrise fehlt die Breite des Mistrauens. Die Vorgänge rund um Frankreich zeigen aber einmal mehr, dass die Grundprobleme des Konstrukts der Einheitswährung ungelöst sind. Die strukturellen und kulturellen Unterschiede der verschiedenen Euroländer sind nicht kleiner geworden. Die hochgelobte Konvergenz der Eurostaaten findet nicht statt. Die in den Maastricht-Kriterien geforderte Finanzdisziplin ist ein Wunschtraum, solange griffige Sanktions- mechanismen zu deren Durchsetzung fehlen. Jeder will vom Euro und der Eurozone profitieren, aber keiner will Verantwortung übernehmen. Dazu kommt, dass die vielbeschworene Kernachse Frankreich/Deutschland ihre stabilisierende Funktion nicht wahrnehmen kann. Frankereich ist Teil des Schuldenproblems. Deutschland ist wirtschaftlich geschwächt und politisch mit sich selbst beschäftigt. Daher wird der Euro weiterhin regelmässig in Frage gestellt werden.

Die EZB soll es richten

Die EZB ist die am besten funktionierende Institution in der Eurozone und als Klammer unersetzbar. Sie hat als Einzige die nötigen finanziellen Möglichkeiten, um bei Bedarf das Vertrauen in den Euro zu stärken. Sie ist auch bereit, diese einzusetzen. In der Vergangenheit hat sie aber zu schnell den Rettungsring ausgeworfen und den Euroländern aus der finanziellen Patsche geholfen. Das hat sowohl die Investoren als auch die Staaten unvorsichtig werden lassen und die disziplinierende Kraft des Finanzmarktes ausgehebelt. Die EZB sollte sich auf ihren Kernauftrag der Steuerung der Preisstabilität und Wirtschaft konzentrieren. Dazu gehört auch, dass sie undisziplinierte Länder und deren Investoren auch mal leiden lässt, solange es das Gesamtkonstrukt der Eurozone und ihren Auftrag nicht gefährdet.

Quelle: ETFWorld


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