Stucki Thomas St. Galler Kantonalbank

St. Galler Kantonalbank : Potenzial für höhere Obligationenrenditen ist beschränkt


Abonniere unsere Kanäle


St. Galler Kantonalbank : Am Donnerstag wird die SNB den Entscheid ihrer Geldpolitischen Lagebeurteilung präsentieren.

Abonnieren Sie unseren kostenloser Newsletter


Von Dr. Thomas Stucki  CIO der St. Galler Kantonalbank


Sie wird den Leitzins bei 0.0% belassen. Es gibt weder einen Grund, der EZB mit einer frühzeitigen Zinserhöhung nachzueilen noch die Zinserhöhung der EZB als Argument zu verwenden, um vom Nullzins wegzukommen. Die Analysten und Kommentatoren werden sich daher auf die Begründung des Entscheides konzentrieren und nach Hinweisen suchen, ob die SNB ihre Haltung bezüglich der zukünftigen Zinsentwicklung geändert hat. Viel wird dabei nicht herauskommen. Die SNB wird wieder die Risiken der geopolitischen Lage betonen und ihre Bereitschaft markieren, bei Bedarf zu Lasten des Frankens zu intervenieren.  Anschauen muss man eigentlich nur die Veränderung ihrer Inflations-prognose. Sollte diese deutlich höher sein als im März, würde das ein Hang in Richtung höherer Zinsen bedeuten. Ich erwarte, dass die SNB einen Buckel in der Inflation zeigt und die Inflationsprognose in der mittleren Frist weiterhin in der Mitte des Bandes der Preisstabilität sieht.

Ich erwarte, dass die SNB erst gegen Ende 2027 die erste Zinserhöhung machen wird. Ein Zinsschritt nach unten ist kein Thema mehr. Das internationale Zinsumfeld hat sich in Richtung höherer Zinsen gedreht. Mitte Mai hatten die Renditen der Obligationen bereits eine vorübergehende Zuckung nach oben gemacht. Es macht daher Sinn, sich die Ereignisse am Obligationenmarkt während des letzten Zinserhöhungszyklus in Erinnerung zu rufen. Anfang 2022 und damit sechs Monate vor der ersten Leitzinserhöhung der SNB, hatten die langfristigen Renditen begonnen, substanziell nach oben auszubrechen. Ausgelöst wurde die Bewegung durch stark steigende Renditen der amerikanischen Obligationen im Vorfeld der ersten Zinserhöhung der Fed. Die 10-jährigen Zinsen in der Schweiz sind in der Folge innert sechs Monaten um 1.5% gestiegen. Nach dem ersten Zinsschritt der SNB von -0.75% auf -0.25% sind sie noch einmal um 0.5% gestiegen, bevor sie sich im Bereich von 2% eingependelt hatten. Die weiteren Zinserhöhungen der SNB bis auf 1.75% hatten danach keine wesentlichen Auswirkungen auf die langfristigen Renditen mehr.

Keine Wiederholung von 2022 erwartet

2022 ist den Anlegerinnen und Anlegern in schlechter Erinnerung. Der starke Zinsanstieg verursachte Kursverluste bei den Obligationen und die Aktienmärkte belastet. Die Renditen der Obligationen werden im Vorfeld der ersten Zinser- höhung der SNB auch diesmal steigen. Ausgelöst wird die Bewegung wieder durch höhere Zinsen in den USA werden. Die Ausgangslage ist aber nicht die gleiche. Die Zinsen sind heute bereits deutlich höher als Ende 2021. Wenn die Fed zur Bekämpfung der Inflation den Leitzins anheben wird, wird das nicht mehr ein steiler Pfad von 0% auf über 5% sein. Ausgehend vom aktuellen Leitzins von 3.75% liegen Zinsschritte von insgesamt 1.0% bis 1.5% drin, mehr nicht. Für die SNB wird es argumentativ schwierig sein, einen Leitzins von über 1% zu begründen, wenn die Inflation in der Schweiz nicht markant in Richtung 2% oder darüber tendiert. Für den 10-Jahres-Swapzins bedeutet das, dass er sich im Bereich von 1.5% bis maximal 2.0% stabilisieren wird, was im Vergleich zu heute einem Anstieg von rund 1% bedeutet.

Kursverluste von Obligationen als Chance

Ein solcher Zinsanstieg, auch wenn er in seinem Ausmass beschränkt ist, macht sich in der Performance der Obligationen negativ bemerkbar. Ein Obligationen-portfolio analog dem Swiss Bond Index hat eine Duration von 7 Jahren. Der durch die Zinsentwicklung ausgelöste Kursverlust dieses Portfolios von 7% wird durch die aktuelle Rendite auf Verfall von 0.9% nur bedingt geschmälert. Alle Obligationen zu verkaufen, macht aber keinen Sinn. Umschichten von Obligationen mit langen Laufzeiten zu Obligationen mit kurzen Laufzeiten kann man machen. Die Transaktionskosten in Form der Bid-Ask-Spreads sind aber hoch. Der Kursverlust durch den Zinsanstieg schmerzt im Moment, kann und muss aber als Investition in die Zukunft betrachtet werden, die durch höhere Renditen auf Verfall kompensiert wird. Es empfiehlt sich daher, sein Obligationenportfolio so zu strukturieren, dass die Verfalldaten der Anleihen gut verteilt sind. So kann man über die Zeit die durchschnittliche Performance erzielen, die der Schweizer Obligationenmarkt hergibt. Sie ist nicht berauschend, aber deutlich höher als der Zins auf dem Konto.

Quelle: ETFWorld


Newsletter
Ich habe gelesen Privacy & Cookies Policy und ich stimme der Verarbeitung meiner persönlichen Daten für die darin genannten Zwecke zu.
Investement World

Newsletter ETFWorld.ch

Ich habe gelesen Privacy & Cookies Policy und ich stimme der Verarbeitung meiner persönlichen Daten für die darin genannten Zwecke zu.