WisdomTree : In der nächsten Krypto-Phase geht es nicht ums Überleben oder um die Preisfindung. Es geht um die Umsetzung.
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Dovile Silenskyte, Director, Digital Assets Research, WisdomTree
Zu Beginn des Jahres 2026 liegt der Vorteil nicht mehr darin, das nächste Narrativ zu erkennen. Stattdessen rührt er daher, dass Krypto als Portfolioallokation behandelt wird: mit klarem Zugang, durchdachter Grössenordnung und disziplinierter Governance.
Für Anleger, die diesen Ansatz verfolgen, ist Krypto immer weniger exotisch und zunehmend nutzbar.
Warum das jetzt wichtig ist
Krypto hat seine von Privatanlegern geprägte „Boom-and-Bust“-Jugend hinter sich gelassen. Die Infrastruktur funktioniert weitgehend, die Regulierung wird eher verschärft als gelockert, und das Kapital verhält sich mehr wie institutionelles Kapital.
Das ändert die Spielregeln.
Die wesentliche Veränderung ist subtil, aber entscheidend. Denn die Debatte hat sich von der Frage „Sollten wir in Krypto investieren?“ zu der Frage „Wie setzen wir das verantwortungsbewusst um?“ gewandelt.
Das ist im aktuellen makroökonomischen Umfeld wichtig, wo die traditionelle Diversifikation unter Druck steht: Das Inflationsrisiko hält an, die Dominanz der Fiskalpolitik nimmt wieder zu, die Korrelationen zwischen Aktien und Anleihen sind nicht mehr zuverlässig und Anlegern fehlen differenzierte Renditetreiber.
Drei Themen prägen die institutionelle Krypto-Allokation
- Die institutionelle Normalisierung nimmt Fahrt auf
Krypto ist im Hinblick auf den Zugang und die Regulierung zunehmend vorhersehbar.
- Börsengehandelte Krypto-Produkte (ETPs) haben digitale Assets in der institutionellen Infrastruktur verankert und ermöglichen ein Engagement über vertraute, praktische Vehikel.
- Die Volatilität hat sich am Rande verringert, besonders bei Bitcoin, da sich der Besitz unter den längerfristigen, institutionell ausgerichteten Inhabern konsolidiert.
- Die Regulierung fungiert als Filter, nicht als Kill-Switch, und konzentriert Kapital auf Vermögenswerte und Strukturen, die den Standards für Governance, Verwahrung und Transparenz entsprechen.
Abbildung 1: Da sich Bitcoin-Anlagen zunehmend in institutionellen Händen befinden, verringert sich die realisierte Volatilität
| Kategorie | Anzahl von Bitcoin | Prozentsatz des gesamten Bitcoin-Angebots |
| ETPs | 1.502.560 | 7,2 % |
| Börsennotierte Unternehmen | 1.108.080 | 5,3 % |
| Regierungen | 647.042 | 3,1 % |
| Dezentrales Finanzwesen (DeFi) | 372.377 | 1,8 % |
| Private Unternehmen | 288.012 | 1,4 % |
| Börsen/Verwahrstellen | 145.993 | 0,7 % |
| Gesamt | 4.064.064 | 19,4 % |
Quelle: Bitcoin Treasuries, Artemis Terminal. 19. Januar 2026. Das Gesamtangebot von Bitcoin beträgt 21.000.000.
Das passiert, wenn Anlageklassen heranreifen: Das Narrativ tritt zugunsten der Funktion in den Hintergrund, während Zugang und Governance ebenso wichtig werden wie das Aufwärtspotenzial.
Fazit für Vermögensverwalter: Die Qualität der Umsetzung bestimmt zunehmend die Ergebnisse, nicht nur die Auswahl der Anlagen.
- Erträge rücken ins Zentrum des Interesses
Der seit Langem bestehende Einwand, dass Krypto keine Rendite generiert, verliert zunehmend an Bedeutung.
Durch Staking haben sich Teile des Marktes von reinen Beta-Engagements zu Total-Return-Anlagen gewandelt. Insbesondere sind diese Erträge protokollbasiert und nicht durch Hebelwirkung oder Kredite generiert.
- Ether ähnelt zunehmend produktivem digitalem Kapital, da es nutzungsabhängige Gebühren, Staking-Erträge und Burning-Mechanismen für Gebühren kombiniert.
- Liquid Staking beseitigt operative Reibungsverluste und macht Staking zu einer Anlageentscheidung anstelle eines Technologieprojekts.
- Solana bietet höhere nominale Staking-Renditen, jedoch bei gestiegener Inflation und grösserer Sensitivität gegenüber Nutzungszyklen.
Abbildung 2: Vergleich der Staking-Belohnungen
Quelle: Staking Rewards. 20. Januar 2026.
Portfolioauswirkungen: Mehrschichtige Krypto-Erträge. Ethereum setzt auf Tiefe und institutionelle Reife, während Solana ein zyklisches Engagement mit höherem Beta-Engagement bietet. Erträge beseitigen zwar nicht die Volatilität, verändern jedoch das Renditeprofil und das Anlegerverhalten in diesem Zusammenhang.
- Verstärkte Portfoliointegration
Krypto verlässt die Kategorie der „alternativen Anlagen“ und rückt neben Gold, Rohstoffen und anderen Diversifikatoren in den Fokus der Debatten über Mainstream-Allokationen.
Eine wachsende Zahl wissenschaftlicher und praxisorientierter Studien legt nahe, dass kleine, disziplinierte Allokationen die Portfolioeffizienz über ganze Zyklen hinweg verbessern können. Die Ergebnisse hängen weiterhin vom Umfeld und der Umsetzung ab, aber das Argument der Diversifikation ist nicht mehr nur Theorie.
- Bitcoin wird immer häufiger als nichtstaatlicher, von Knappheit bestimmter Anlagewert analysiert, der eher auf das Vertrauen in Fiatsysteme als nur auf die realisierte Inflation reagiert.
- Asymmetrie funktioniert nur mit Disziplin: kleine Positionen, systematisches Rebalancing und keine Jagd nach Dynamik.
- Die Governance ist ausschlaggebend. Eine gute Governance erfasst die Volatilität, während eine schlechte Governance das Risiko vergrössert.
Abbildung 3: Kleine Bitcoin-Allokationen haben in der Vergangenheit die Risiko-Rendite-Kennzahlen von Portfolios verbessert
| Globales 60:40- Portfolio | 1 % Bitcoin-Portfolio | 3 % Bitcoin-Portfolio | 5 % Bitcoin-Portfolio | 10 % Bitcoin-Portfolio | MSCI AC World | Bloomberg Multiverse | Bitcoin | |
| Annualisierte Rendite | 6,40 % | 7,01 % | 8,23 % | 9,44 % | 12,43 % | 9,83 % | 1,01 % | 48,75 % |
| Volatilität | 8,76 % | 8,83 % | 9,12 % | 9,57 % | 11,30 % | 13,90 % | 4,99 % | 65,30 % |
| Sharpe-Ratio | 0,52 | 0,59 | 0,70 | 0,80 | 0,94 | 0,58 | -0,16 | 0,72 |
| Information-Ratio | 0,93 | 0,93 | 0,92 | 0,92 | ||||
| Sortino-Ratio | 0,63 | 0,71 | 0,86 | 0,98 | 1,20 | 0,68 | -0,22 | 0,97 |
| Beta | 69 % | 71 % | 73 % | 75 % | 80 % | 100 % | 24 % | 178 % |
Quelle: Bloomberg, WisdomTree. Vom 31. Dezember 2013 bis zum 31. Dezember 2025. Auf der Grundlage täglicher USD-Renditen. Das globale 60:40-Portfolio setzt sich zu 60 % aus dem MSCI All Country World und zu 40 % aus dem Bloomberg Multiverse zusammen.
Krypto belohnt Vermögensverwalter, nicht Händler.
Jenseits von Einzeltoken: Warum Struktur die Auswahl übertrumpft
Da die Prüfung der Governance zunimmt, gewinnt die Portfoliozusammensetzung gegenüber der Token-Auswahl an Bedeutung.
Regelbasierte Krypto-Basket-ETPs gehen direkt auf zwei häufige Fehler von Anlegern ein:
- Übermässiges Selbstvertrauen: Wetten auf Einzeltoken, die als Strategie getarnt sind.
- Lähmung: Untätigkeit, weil der Markt als zu komplex empfunden wird.
Krypto-Körbe führen Indexdisziplin, Diversifikation und eine systematische Neugewichtung ein. Sie verzichten auf Lotteriegewinne zugunsten einer wiederholbaren, risikobereinigten Partizipation.
Das spiegelt die Evolution von Aktieninvestitionen wider, vom Stockpicking bis hin zu strukturierten Engagements, und zeigt, wohin sich Krypto entwickelt, wenn es in Portfolios integriert wird.
Risiken und Realitätschecks
Nichts davon beseitigt das Risiko. Krypto bleibt volatil, wird zeitweise von der Stimmung getrieben und ist regulatorischen und technologischen Unsicherheiten ausgesetzt. In Stresssituationen steigen die Korrelationen stark an, und die Staking-Renditen sind nicht garantiert.
Das Argument für Krypto im Jahr 2026 ist nicht maximales, sondern optimales Engagement.
Die wichtigste Erkenntnis
Krypto wird 2026 zunehmend durch Integration geprägt sein. Das Ziel besteht nicht in einem maximalen Engagement, sondern in einer sinnvollen Allokation, die mit dem Gesamtrisiko des Portfolios vereinbar ist.
Für Anleger, die sich auf Zugang, Grösse und Governance fokussieren, entwickelt sich Krypto zu einer Anlageklasse, die innerhalb eines breiteren Portfoliokonzepts gehalten, überwacht und neu gewichtet werden kann.
Die Chance liegt daher weniger in der Überzeugung als vielmehr in der disziplinierten Umsetzung.
Quelle: ETFWorld
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