WisdomTree : Auf der CES 2026 erklärte Jensen Huang, dass „wir in das Zeitalter der physischen KI eintreten“. Diese Äußerung war ein deutlicher Hinweis darauf, dass sich die Anwendungen der künstlichen Intelligenz (KI) von der digitalen Welt auf die physische Welt erstrecken.
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Von Baoqi Zhu, Quantitative Research & Multi Asset Solutions, WisdomTree
Da KI zunehmend in Robotik, autonomen Fahrzeugen und intelligenten Fabriken Einzug hält, geht der Megatrend KI in eine neue Phase über.
Auch auf der anderen Seite des Pazifiks entwickelt sich physische KI rasant. Dank einer gut ausgebauten Hardware-Lieferkette, umfangreicher Fertigungskapazitäten, wettbewerbsfähiger Technologieunternehmen und industriepolitischer Förderung spielt China eine immer wichtigere Rolle bei der Entwicklung der physischen KI.
Auf einer vor Kurzem unternommenen Reise nach China konnte ich das Thema noch besser nachvollziehen. Ob bei Demos humanoider Roboter in Robotikfirmen, bei Fahrten mit Robotaxis oder einfach bei der Bestellung von Bubble Tea, der per Drohne geliefert wurde – all das unterstrich denselben Punkt: Physische KI schafft den Sprung aus den Forschungslabors in die reale Geschäftswelt. Vor diesem Hintergrund veranschaulichen die drei im Folgenden vorgestellten chinesischen Unternehmen verschiedene Phasen der Kommerzialisierung der physischen KI.
Drei Unternehmen, drei Wege zur physischen KI
UBTech: Ausbau der humanoiden Robotik
UBTech wird heute vor allem mit der humanoiden Robotik in Verbindung gebracht, doch die Anfänge des Unternehmens waren eher konventionell. Durch seine früheren Geschäftsbereiche – Bildungs-, Reinigungs- und Logistikroboter – sammelte das Unternehmen technische Erfahrung und Fertigungs-Know-how und knüpfte Beziehungen zu Industriekunden, noch bevor humanoide Roboter kommerziell relevant wurden. Diese traditionellen Geschäftsbereiche bildeten auch eine stabilere Umsatzbasis, während sich die humanoide Robotik noch in der Anfangsphase befand.
Was sich im Jahr 2025 strukturell verändert hat, war der Umsatzbeitrag von UBTech. Laut dem Jahresabschluss für das Geschäftsjahr 2025 stieg der Umsatz mit humanoiden Robotern in Lebensgröße sprunghaft auf 41 % der Konzernerlöse an. 2024 waren es noch 3 % gewesen. Im Laufe des Jahres wurden mehr als 1.000 humanoide Roboter ausgeliefert, was den Schluss zulässt, dass die Branche auf eine baldige Markteinführung zusteuert.
Das Investor-Relations-Team von UBTech zeigte sich bei meinem Besuch mehr davon überzeugt, dass die kurzfristigen Anwendungsfälle für Humanoide eher in Fabriken als in Privathaushalten liegen. Die Walker-S-Serie wird derzeit in Fertigungs- und Logistikszenarien getestet, darunter in den 3C-Elektronikfabriken von Foxconn, wo sie Aufgaben wie Handhabung, Sortierung und Qualitätskontrolle übernimmt. Das könnte einen allgemeinen Trend widerspiegeln: Fabrikumgebungen sind vergleichsweise strukturiert und repetitiv, sodass sie einen realistischeren Ausgangspunkt für den Einsatz von Humanoiden darstellen.
Die nächste Herausforderung liegt weniger im Proof of Concept als vielmehr in der Skalierung. Das Management strebt für 2026 die Auslieferung von 5.000 humanoiden Robotern an und plant eine Produktionskapazität von 10.000 Stück. Der neueste Walker S2 kann zudem seine Batterien selbstständig austauschen, was die Betriebszeit in industriellen Umgebungen verbessert.
Die Strategie von UBTech beschränkt sich nicht nur auf Hardware. Das Unternehmen hat sein eigenes Modell für physische KI namens Thinker entwickelt und baut gleichzeitig ein umfassenderes Automatisierungsökosystem auf, das humanoide Roboter und autonome Logistikfahrzeuge miteinander verbindet. Im Bereich der Fertigung konzipiert UBTech hauptsächlich wichtige Komponenten für humanoide Roboter, während die Produktion an Zulieferer ausgelagert wird – die unlängst erfolgte Übernahme von Fenglong Electric deutet jedoch auf eine stärkere Integration der Lieferkette hin.
Die Strategie von UBTech für Humanoide baut auf den Kompetenzen auf, die es in seinem früheren Robotikgeschäft entwickelt hat, wendet diese jedoch auf einen weitaus ambitionierteren Markt im Frühstadium an.
Pony AI: Robotaxis jenseits von Pilotprojekten
Pony AI verkörpert die autonome Mobilität im Bereich der physischen KI. Das Unternehmen wurde von ehemaligen Ingenieuren für autonomes Fahren bei Baidu gegründet und entwickelt Software für Robotaxis, Robotrucks und die Zulassung autonomer Fahrzeuge, wobei Robotaxis zunehmend im Mittelpunkt des Anlagearguments stehen.
Die autonomen Fahrzeuge von Pony AI sind mittlerweile in ausgewiesenen Bereichen mehrerer chinesischer Städte im Einsatz. Pony AI hat zudem eine internationale Expansion eingeleitet und in Kroatien kommerzielle Robotaxi-Dienste gestartet. Des Weiteren treibt es die Markteinführung und Partnerschaften in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Singapur voran. Autonomes Fahren ist nicht nur eine technologische Herausforderung, sondern erfordert auch die Einhaltung gesetzlicher Vorschriften und lokale Betriebskompetenz. Die Ausweitung auf unterschiedliche Straßennetze und rechtliche Rahmenbedingungen ist ein wichtiger Test für die Skalierbarkeit.
Die Attraktivität von Robotaxis liegt auf der Hand. Im Gegensatz zu vielen KI-Anwendungen, die rein digital bleiben, interagieren autonome Fahrzeuge direkt mit der physischen Welt. Das erzeugt zwar deutlich höhere technische und regulatorische Hürden, bietet aber auch einen klareren kommerziellen Anwendungsfall, wenn die Einsatzkosten weiter sinken.
Die neuesten Ergebnisse von Pony AI zeigten ein starkes Wachstum des Robotaxi-Umsatzes ausgehend von einer niedrigen Basis, obwohl der Umsatz mit Robotruck-Lösungen und Lizenzen nach wie vor einen bedeutenden Anteil am Geschäft ausmacht. Die Debatte dreht sich mittlerweile weniger darum, ob Robotaxis technisch einsatzfähig sind, sondern vielmehr darum, ob Auslastungsraten, regulatorische Rahmenbedingungen und die Wirtschaftlichkeit der Flotten nachhaltige Kapitalrenditen ermöglichen.
Gemessen an der humanoiden Robotik ist die Kommerzialisierung autonomer Mobilität offenbar weiter fortgeschritten, da bereits im Betrieb stehende Dienste einen deutlicheren Hinweis auf die potenzielle Akzeptanz liefern.
Shenzhen Dobot: Die greifbarere Seite der physischen KI
Shenzhen Dobot repräsentiert die greifbarere Seite der physischen KI. Das Kerngeschäft des Unternehmens sind kollaborative Roboter, die in der Fertigung, im Bildungswesen und im gewerblichen Bereich zum Einsatz kommen. Diese Roboterarme werden bereits für Aufgaben wie Montage, Inspektion, Sortierung und Materialtransport eingesetzt, insbesondere in der Automobil-, Elektronik- und Halbleiterproduktion.
Im Gegensatz zu vielen anderen Unternehmen für humanoide Robotik erzielt Dobot bereits Einnahmen mit etablierten Produkten für die Fabrikautomation. Das Unternehmen ist nicht ausschließlich auf die zukünftige Nutzung humanoider Roboter angewiesen, sondern profitiert auch von der aktuellen Nachfrage nach industrieller Automation und den Investitionszyklen in Fabriken.
Herkömmliche Industrieroboter sind oft mit einer teuren Installation verbunden und auf eng definierte Aufgaben ausgelegt. Cobots lassen sich leichter in bestehende Produktionslinien integrieren und können sich schneller an Änderungen im Arbeitsablauf anpassen, wodurch ihr Einsatz auch außerhalb von Großfabriken realistischer wird. Dobot verfügt bereits über eine installierte Basis von insgesamt mehr als 100.000 ausgelieferten Geräten in mehreren Ländern. Bestehende Kundenbeziehungen könnten dem Unternehmen zudem dabei helfen, im Laufe der Zeit fortschrittlichere Produkte mit verkörperter KI auf den Markt zu bringen.
Das Unternehmen untersucht darüber hinaus auch breiter angelegte Anwendungen für verkörperte KI. Das Management beschreibt einen Ansatz nach dem Motto „ein Gehirn, mehrere Körper“, bei dem eine gemeinsame Softwarearchitektur für Roboterarme, Humanoide und mobile Roboter zum Einsatz kommt. 2025 brachte Dobot verschiedene Produkte auf den Markt, darunter einen Humanoiden, dessen Umsatzbeitrag jedoch nach wie vor gering ist.
Im Vergleich zur humanoiden Robotik bietet Dobot ein direkteres Engagement in den aktuellen Investitionen in die Automation und in der Modernisierung von Fabriken, wo die kommerzielle Nutzung bereits stattfindet.
Fazit
Gemeinsam zeigen UBTech, Pony AI und Dobot, dass physische KI keine einzelne Produktkategorie ist, sondern einen Übergang in verschiedenen Maschinentypen und Endmärkten darstellt. UBTech integriert KI in humanoide Roboter, Pony AI in Fahrzeuge und Dobot in die Fabrikautomation.
Der gemeinsame Nenner ist die Verkörperung: KI ist mit Hardware verbunden, die mit der physischen Welt interagieren kann. Diese Unternehmen verdeutlichen ferner, warum China für das Thema an Bedeutung gewinnt. Dank seines Fertigungsökosystems, der schnellen Produktiteration und der heimischen Automationsnachfrage ist China ein Schlüsselmarkt für den frühen Einsatz von physischer KI.
Quelle: ETFWorld
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