Zyklische Analyse: Am 20. Juni um 16 Uhr wurden die Daten zum Leading Economic Index® (LEI) veröffentlicht, der sich auf die US-Wirtschaft bezieht und vom Conference Board entwickelt wurde, einer gemeinnützigen Organisation, die seit 100 Jahren unabhängige Analysen vor allem zur US-Wirtschaft durchführt.
Von Eugenio Sartorelli – www.investimentivincenti.it
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Dieser Frühindikator soll die wichtigsten Trends der US-Wirtschaft mit einer Vorlaufzeit von etwa 6-7 Monaten leicht vorwegnehmen.
Die 10 Komponenten des Frühindikatorindex sind:
– Durchschnittliche Wochenarbeitszeit im verarbeitenden Gewerbe
– Durchschnittliche wöchentliche Erstanträge auf Arbeitslosenunterstützung
– Neue Aufträge der Hersteller für Konsumgüter und Materialien
– ISM®-Index der Auftragseingänge
– Neue Aufträge der Hersteller für nicht-militärische Investitionsgüter ohne Flugzeugaufträge
– Baugenehmigungen für neue private Wohngebäude
– S&P 500®-Aktienindex
– Leading Credit Index™
– Zinsspread (10-jährige Staatsanleihen abzüglich Federal Funds Rate)
– Durchschnittliche Erwartungen der Verbraucher hinsichtlich der Geschäftsbedingungen.
Darüber hinaus gibt es den Coincident Indicator, der die aktuelle Wirtschaftslage abbilden soll. Die überwachten Daten sind:
– Lohnsumme
– Persönliches Einkommen abzüglich Transferleistungen
– Umsatz im verarbeitenden Gewerbe und Handel
– Industrieproduktion.
Diese vier Daten stehen insgesamt in engem Zusammenhang mit dem BIP, dem wichtigsten Indikator für den Konjunkturzyklus.
Nun bleibt nur noch, die Ergebnisse (monatliche Daten) zu betrachten:
Abbildung 1: Leading Economic Index USA (blaue Linie); Coincident Economic Index USA (schwarze Linie).
Bei Betrachtung der beiden Kurven wird deutlich, dass eine hohe Korrelation mit dem Leading Economic Index (Lei) besteht, der den Coincident Economic Index (Cei) vor allem an Wendepunkten tendenziell vorwegnimmt.
All dies funktionierte bis April 2022 (siehe blauer Pfeil), dem Monat, in dem der Frühindikator kontinuierlich und unaufhaltsam zu sinken begann und auch die letzten Daten weiterhin negativ sind. Auffällig ist, dass dieser Frühindikator auf einem niedrigeren Niveau liegt als in der Pandemiephase im Frühjahr 2020.
Noch überraschender ist, dass der Coincident Economic Index (CEI) der US-Wirtschaft seit Frühjahr 2020 unbeeindruckt weiter wächst und keine spürbaren Auswirkungen des Rückgangs des LEI zu verzeichnen sind.
Daraus lassen sich meiner Meinung nach zwei Schlussfolgerungen ziehen.
Erstens muss die Zusammensetzung des Leading Economic Index (Lei) überarbeitet werden, da er offensichtlich nicht mit der wirtschaftlichen Entwicklung in den USA übereinstimmt. Eine der Hauptursachen für diese Diskrepanz war wahrscheinlich die große Liquidität, die während der Pandemie von der Zentralbank und der Regierung in das US-amerikanische und das weltweite Wirtschaftssystem gepumpt wurde. Diese überschüssige Liquidität ist schwer zu „regulieren” und hat langfristige Auswirkungen auf Wirtschaft und Finanzen.
Die zweite Schlussfolgerung hängt auch mit der Intermarket-Analyse zusammen, deren Hauptparameter, die sich auf die Korrelationen zwischen den wichtigsten Anlageklassen beziehen, sich seit 2020 weitgehend verändert haben. Es scheint fast so, als seien einige der klassischen „Wirtschaftsregeln” außer Kraft gesetzt. Daher könnten wir uns in einer Phase neuer Wirtschaftsregeln befinden, die es zu untersuchen und zu definieren gilt.
Die Alternative wäre eine Rückkehr zu klassischeren Wirtschaftsregeln, die die Märkte jahrzehntelang geregelt haben. In diesem Fall dürfte die US-Wirtschaft (Coincident Indicator) eher dem folgen, was der Leading Indicator seit drei Jahren signalisiert, nämlich dass es bis Ende dieses Jahres zumindest zu einer starken Verlangsamung kommen könnte.
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