St. Galler Kantonalbank : Seit Anfang Juni schwächelt der Franken. Der US-Dollar legte zum Franken 7% zu und der Euro kostete fast 95 Rappen, so viel wie seit achtzehn Monaten nicht mehr.
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Von Dr. Thomas Stucki ist CIO der St.Galler Kantonalbank
Die sich ausweitende Zinsdifferenz macht Anlagen in Franken unattraktiver und die Verschuldung in Franken gewinnt angesichts der tiefsten Zinsen an Bedeutung. Themen wie die Schulden der Amerikaner oder die geopolitische Unsicherheit spielen in diesem Umfeld eine untergeordnete Rolle. Es braucht jedoch wenig und das Thema des sicheren Hafens Franken erlebt ein Revival. Eine Ausweitung der Kredit- risikoprämien für französische Anleihen genügt und der Euro/Franken-Kurs sinkt in kurzer Zeit um 1.5 Rappen. Der Mythos des starken Frankens kann noch nicht im Archiv versorgt werden. Veränderungen bei den Zinserwartungen und geldpolitische Zinsentscheide haben kurzfristig als Signalgeber einen starken Einfluss auf die Wechselkurse. Geldmarktanlagen zu 0% in Franken haben es schwierig, wenn ein Festgeld in US-Dollar einen Zins von 4% abwirft und wenn die EZB laut von höheren Zinsen spricht. Zinssignale verpuffen am Devisenmarkt jedoch rasch. Die Zinsen im Franken sind immer tiefer als in anderen Währungen. Niemand kauft und hält Franken wegen des Zinses. Mittel- und langfristig werden die Devisenkurse durch die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen geprägt. Ein wesentlicher Faktor ist dabei der Ausgleich der unterschiedlichen Inflationsraten in den verschiedenen Währungsräumen. Der Inflationsvorteil des Frankens wird nicht verschwinden, sondern sich eher ausdehnen, was für eine trendmässige Aufwertung des Frankens von rund 2% pro Jahr spricht. Grössere und auch längereAbweichungen von diesem Pfad kommen vor, sind aber nicht nachhaltig.
SNB hält sich ruhig
Ein wichtiger Mitspieler im Franken-Markt ist die Nationalbank. Diese verhält sich ruhig. Im zweiten Quartal hat sie für 1.4 Mrd. Franken verkauft. Der Betrag ist klein und dürfte mit dem Krieg im Iran zusammenhängen. Für die SNB birgt die Schwächephase des Frankens offensichtlich kein Risiko, dass höhere Preise der Importgüter die Preisstabilität gefährden. Diese Einschätzung ist richtig. Auf der anderen Seite könnte die SNB die ruhige Phase nutzen, ihre Bilanz etwas abzubauen. 770 Mrd. Franken an Devisenreserven schiebt sie vor sich her. Ein Verkauf von Devisen scheint bei der SNB jedoch kein Thema zu sein. Offenbar erachtet sie das Abbaupotenzial zu gering ein und will keine Signale aussenden, die für eine neuerliche Erstarkung des Frankens sprechen.
Franken wird wieder teuer werden
Die Schwäche des Frankens ist eine Schwäche auf Zeit. Die geopolitische Unsicherheit wird nicht kleiner werden und die Inflationsdiskussion im Ausland werden nicht so rasch verschwinden. Die Schuldenthematik schlummert wie ein Vulkan und kann plötzlich auftauchen, wie letzte Woche in Frankreich gesehen. Dann wird der sichere Hafen des Frankens wieder gesucht werden. Dazu kommt, dass je länger der Franken ruhig bleibt, desto grösser wird der Anreiz zum Aufbau von Shortpositionen in der Tiefzinswährung Franken. Dreht der Wind, müssen diese aufgelöst werden und verstärken den Aufwertungsdruck. Die Entwicklung des Euro/Franken-Kurses letzte Woche war ein Vorbote davon. Die SNB wird sich weiterhin vor allem gegen einen starken Franken wehren müssen. Der Wert eines Euro wird auf 90 Rappen sinken. Die Frage ist nur, wann?
Quelle: ETFWorld
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