St. Galler Kantonalbank : Rückenwind und Gegenwind halten sich die Waage

St. Galler Kantonalbank : Die Aktienmärkte halten sich in der Nähe ihrer historischen Höchststände, obschon die geopolitische Lage immer verworrener und undurchsichtiger wird.

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Von Dr. Thomas Stucki ist CIO der St.Galler Kantonalbank


Bei der Künstlichen Intelligenz wird momentan nicht mehr über die Effizienzmöglichkeiten, sondern über die Risiken gesprochen. Ob die Schauermeldungen der grossen KI-Entwickler lediglich Selbstschutz und Marketing sind, oder ob sie wie der Zauberlehrling von Goethe die Kontrolle über ihr Werk verlieren, ist schwer einzuschätzen. Der Gegenwind für die Aktien ist gross und dennoch ist ein Einbruch auf breiter Front nicht zu sehen. Die grossen Rückschläge sehen wir bei einzelnen Aktien, aber nicht im Gesamtmarkt.

Die Zinsen der Obligationen sind in der letzten Woche noch einmal stark gestiegen, nachdem das vom US-Finanzminister in grossen Worten angekündigte Programm zum Rückkauf von langlaufenden Anleihen in seinem Ausmass unter den geschürten Erwartungen blieb. Zusammen mit einem steigenden Erdölpreis steigen auch die Erwartungen an zusätzliche Zinserhöhungen der Zentralbanken. Obschon die SNB keine Signale aussendet, die für eine baldige Erhöhung ihres Leitzinses sprechen, hat der Sog der Zinsen und Zinserwartungen auch die Schweiz erreicht. Eine Wiederholung des grossen Zinsschocks von 2022 ist jedoch unwahrscheinlich, da die Leitzinsen in den USA und in der Eurozone im Unterschied zu damals bereits auf einem hohen Niveau sind.

Abhängigkeit vom Tech-Sektor nach wie vor hoch

Die Abhängigkeit von den Tech-Aktien ist anhaltend hoch. Die Performance des Weltindex in diesem Jahr von rund 13% ist zu zwei Dritteln durch die höheren Kurse im Technologiesektor entstanden. Daneben profitieren die Energieaktien von den hohen Energiepreisen und die Finanzwerte von den Zinsen. Die restlichen Sektoren entwickelten sich mehrheitlich zwar auch positiv, sind für die Gesamtperformance jedoch eine Randerscheinung. Dies ist darauf zurückzuführen, dass ihr Gewicht im Weltindex im Vergleich zu den Tech-Titeln in den letzten Jahren deutlich gesunken ist. Das Klumpenrisiko KI darf nicht vernachlässigt werden, insbesondere da dieser Sektor ins Stottern geraten ist. Positiv ist zu vermerken, dass von Kursrückschlägen bei den Tech-Akien die anderen Sektoren profitiert haben und das Geld nicht aus dem Aktienmarkt abgeflossen ist.

Schweizer Markt von Einzelereignissen geprägt

Der Schweizer Aktienmarkt hat mehr eingebüsst als die anderen Märkte. Negative Einzelbewegungen in grossen Titeln wie Novartis, Richemont oder UBS haben den Handel geprägt. Dazu kamen Rückschläge bei den Aktien im Dunstkreis von KI und von den Investitionen in Data Centern. Die Aktie von Novartis konnte einen Teil des Einbruchs wieder aufholen. Der defensive Charakter des Schweizer Aktienmarktes ist im aktuellen Umfeld ein Plus. Er kann sich den Bewegungen im Ausland nicht entziehen, hält sich aber in einem schwierigen Marktumfeld meistens besser als stärker wachstumsorientierte Aktienmärkte.

Aktien bleiben das bevorzugte Anlagevehikel

Der Gegenwind für die Aktien kommt aus verschiedenen Richtungen. Am Ende entscheidet jedoch der Zustand der Weltwirtschaft und die Gewinnaussichten der Unternehmen über den Gang an der Börse. Sowohl die generelle Konjunktur als auch die Unternehmen haben sich in den letzten Jahren jeweils schnell an die sich rasch verändernden Rahmenbedingungen angepasst. Die börsenkotierten Unternehmen sind heute breiter aufgestellt und flexibler als vor Corona. Der daraus resultierende Rückenwind und die verschiedenen Gegenwinde halten sich momentan die Waage. In einem Umfeld hoher Inflationsraten und hoher Zinsen sind Sachwerte wie Aktien weiterhin das bevorzugte Anlagevehikel. Von vorübergehenden Rückschlägen bei den Aktienkursen, die zu den Aktienmärkten gehören, darf man sich nicht zu stark beeindrucken lassen.

Quelle: ETFWorld


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