St. Galler Kantonalbank : Dass der Kurs eines Small Caps nach überraschend guten oder schlechten Zahlen um 10% steigt oder fällt, ist üblich und nicht weiter erwähnenswert.
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Von Dr. Thomas Stucki ist CIO der St.Galler Kantonalbank
Am 3. November wählen die Amerikaner ein neues Repräsentantenhaus und einen Drittel der Senatoren. Gemäss der Wettplattform Polymarket werden die Demokraten mit einer Wahrscheinlichkeit von 91% die Mehrheit im Repräsentantenhaus übernehmen und zu 67% auch im Senat. Viel wird sich dadurch unmittelbar nicht ändern, sofern die Wahlen geordnet ablaufen. Davon gehen wir trotz den vielfältigen Bemühungen von Trump, die Wahlen zu stören und zu beeinflussen, aus. Entsprechend werden an den Finanzmärkten die gleichen Themen wichtig sein, wie in den letzten Wochen.
Wie der Krieg im Iran und die Blockade der Strasse Hormus nach den Wahlen weitergeht, ist offen. Es ist möglich, dass die Amerikaner die aktive Bombardierung des Iran wieder aufnehmen und mit Kommandoaktionen versuchen, die nach wie vor bestehende Nuklearinfrastruktur zu zerstören. Im Gegenzug würde der Iran die Länder rund um den Golf wieder ins Visier nehmen. Es kann aber auch sein, dass die Iraner zu grösseren Konzessionen bereit sind und es zu einer Entspannung kommt. Das Spektrum für den Erdölpreis ist entsprechend gross. Auf den Preis und die Verfügbarkeit von Benzin und Diesel wird es dagegen weniger Einfluss haben. Solange die zerstörten Raffineriekapazitäten nicht ersetzt werden können, werden die Treibstoffpreise hoch bleiben.
Schulden steigen munter weiter
Für die Demokraten wird ein Abbau des Budgetdefizits nicht die erste Priorität sein. Für den nächsten Kongress wird die Gestaltung der Politik genauso schwierig wie für den bisherigen. Die Rollen der beiden Parteien werden einfach getauscht. Trump wird auf alle Bemühungen der Demokraten mit seinem Veto reagieren. Das Veto können sie nicht überstimmen, da ihnen im Senat auch bei einer Mehrheit die dazu nötigen Stimmen fehlen werden. Zudem wird sich Trump keine Grenzen mehr setzen und versuchen, seine Stammwählerschaft mit finanziellen Vorteilen zu beglücken. Bewegung in das Thema kommt nur herein, wenn die Zinsen der Obligationen stark ansteigen und die Regierung unter Druck setzen.
Umfeld für KI-Investitionen wird schwieriger
Das Thema der negativen Auswirkungen und Gefahren von KI wird stärker in den Vordergrund rücken. Das wird weniger über gesetzliche Regulierungen als über öffentliche Anhörungen geschehen. Der lokale Widerstand gegenüber dem Bau neuer Datacenter wird ebenfalls stärker in den Fokus rücken. Die Investitionen in die KI-Infrastruktur und KI-Tools werden jedoch weitergehen und die Gewinne der KI-Firmen weiter sprudeln. Die Investoren werden jedoch mit einer noch stärkeren Berg- und Talfahrt der Tech-Aktien umgehen müssen. Das Platzen einer vielbeschworenen KI-Blase befürchten wir aber nicht.
Die Luft wird dünner
Bisher haben die Finanzmärkte die politischen Themen ignoriert. Kurzfristige Marktreaktionen auf politische Ereignisse wurden rasch korrigiert. An diesem Grundmuster wird sich nicht viel ändern, aber die Wahrnehmung der Unsicherheit wird stärker. Die Finanzmärkte werden mit grösseren Preisschwankungen reagieren, insbesondere auf der Ebene der Einzeltitel. Die Kosten für Absicherungsinstrumente werden steigen, sowohl bei den Aktien als auch bei den Obligationen. Die Luft für grössere Kursgewinne wird dünner, solange es kein positives Trigger-Event gibt. Ein solches könnte ein Ende des Iran-Krieges sein. Für die Anleger heisst das, nicht zu aktivistisch zu agieren, sondern auf ihre mittelfristig ausgerichtete Grundpositionierung zu vertrauen. Es ist aber ein Umfeld, das die Schweizer Aktien und den Franken attraktiv macht.
Quelle: ETFWorld

