LGT : EZB und BOJ halten Zinsen stabil, Technologieaktien unter Druck

LGT Navigator : Die europäischen Aktienmärkte legten am Donnerstag zu, während die Europäische Zentralbank (EZB) die Zinsen trotz erhöhter Inflation und der Risiken durch höhere Energiepreise unverändert beliess.

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EZB-Präsidentin Christine Lagarde kündigte zudem an, ihr Amt Anfang nächsten Jahres niederzulegen. Die Bank of Japan (BOJ) hielt die Zinsen am Freitag ebenfalls stabil, zeigte sich aber zuversichtlicher, dass die zugrunde liegende Inflation ihr Ziel erreicht habe. Enttäuschende Quartalsergebnisse von US-Technologieunternehmen schürten Zweifel an den Erträgen hoher KI-Ausgaben, wodurch die Wall Street am Donnerstag nachgab und die asiatischen Börsen am Freitag überwiegend schwächer tendierten.

EZB hält Zinsen trotz steigender Inflation stabil

Die Europäische Zentralbank beliess ihren Einlagensatz am Donnerstag wie erwartet bei 2.5%, nachdem sie den Leitzins im vergangenen Monat um 25 Basispunkte angehoben hatte. Die Inflation in der Eurozone erreichte im September mit 3.8% den höchsten Stand seit drei Jahren und die Energiepreise stiegen um 18.8%, angesichts des anhaltenden Konflikts im Nahen Osten. Die Währungshüterinnen und Währungshüter entschieden sich einstimmig für eine Pause, weil die zugrunde liegende Inflation und die Löhne weitgehend stabil blieben, während höhere Finanzierungskosten die Finanzierungsbedingungen bereits verschärft hatten. Die Wirtschaft der Eurozone wuchs im dritten Quartal weiter. Die EZB warnte jedoch, dass höhere Energiekosten die Inflation weiter anheizen und die Wirtschaftsaktivität schwächen könnten. EZB-Präsidentin Lagarde kündigte am Donnerstag zudem an, im Februar 2027 zurückzutreten. Der Euro Stoxx 50 und der Swiss Market Index schlossen am Donnerstag 0.7% bzw. 1.2% höher. Der Euro zeigte sich gegenüber dem US-Dollar kaum verändert bei USD 1.1183.

Japans Zentralbank hält Zinsen stabil und signalisiert Straffung

Die Bank of Japan beliess ihren Leitzins am Freitag wie erwartet bei 1.25% und beurteilte die zugrunde liegende Inflation erstmals seit Einführung des Ziels im Jahr 2013 als mit ihrem 2%-Ziel vereinbar. Die Entscheidung fiel mit acht Stimmen dafür und einer Gegenstimme, wobei das abweichende Mitglied eine Erhöhung auf 1.5% bevorzugte. Die Zentralbank hob ihre Inflationsprognose für das Fiskaljahr 2027 von 2.4% auf 2.6% und ihre Prognose für die Inflation ohne frische Lebensmittel und Energie von 2.6% auf 2.7% an, was Erwartungen an weitere geldpolitische Straffungen unterstützte.

Asiatische Aktien wegen Sorgen über KI-Ausgaben unter Druck

Südkoreas Kospi fiel am Freitag um 3.5% und Japans Nikkei 225 verlor 2.1%, da enttäuschende Quartalsergebnisse von US-Technologieunternehmen die Zweifel an den Erträgen von Investitionen in künstliche Intelligenz verstärkten. Halbleiteraktien führten die Verluste an. Der Hang Seng Index in Hongkong widersetzte sich dem regionalen Trend und legte um 1.6% zu, während der CSI 300 in Festlandchina um 1.4% nachgab.

US-Aktien fallen, Alphabet belastet Technologiesektor

Der Nasdaq 100 fiel am Donnerstag um 1.4% auf 29’402.51 Punkte, da die Investitionsausgaben des Google-Mutterkonzerns Alphabet erneut Sorgen über die Kosten künstlicher Intelligenz schürten. Der S&P 500 gab um 0.3% auf 7720.39 Punkte nach und der Dow Jones verlor 0.3% auf 52’342.56 Punkte. Alphabet-Aktien brachen um 12.6% ein, wodurch nahezu USD 500 Milliarden an Börsenwert verloren gingen, nachdem die Investitionsausgaben den operativen Mittelzufluss überstiegen hatten und der freie Cashflow deutlich ins Minus gerutscht war. Die Softwareunternehmen ServiceNow und Fortinet verzeichneten nach enttäuschenden Quartalsergebnissen und schwachen Prognosen Kursverluste von 27% bzw. 20%. Pharmaaktien boten hingegen etwas Unterstützung: Die Aktien von Eli Lilly gewannen nach einer Anhebung der Umsatzprognose 6.6%, während Merck dank besser als erwarteter Ergebnisse und höherer Jahresziele zulegen konnte.

US-Wachstum zieht an, Inflation beschleunigt sich

Das US-Bruttoinlandprodukt wuchs im dritten Quartal mit einer annualisierten Rate von 3.4%, nach 2.2% im zweiten Quartal, und übertraf damit die Markterwartungen, wie am Donnerstag veröffentlichte Daten zeigten. Investitionen im Zusammenhang mit KI und robuste Ausgaben stützten das Wachstum. Die privaten Investitionen stiegen um 19.4% und die Konsumausgaben um 3.8%, womit diese ihr Wachstumstempo aus dem Vorquartal beibehielten. Das von der US-Notenbank bevorzugte Inflationsmass, der Preisindex der persönlichen Konsumausgaben, stieg im September um 0.5% gegenüber dem Vormonat und um 3.6% gegenüber dem Vorjahr, was hauptsächlich höhere Energiekosten widerspiegelte. Die Kerninflation lag im Vorjahresvergleich bei 3.1%. Beide Inflationsraten im Vorjahresvergleich lagen weiterhin über dem 2%-Ziel der Fed und erschwerten damit den geldpolitischen Ausblick, nachdem die Zentralbank die Zinsen am Mittwoch unverändert bei 3.75%-4.00% belassen hatte.

Bitcoin fällt nach Rekord-Cyberangriff auf Binance

Bitcoin notierte 1.7% tiefer bei rund USD 78’600, nachdem ein Cyberangriff auf die Kryptobörse Binance im Umfang von USD 6.3 Milliarden, der bislang grösste verzeichnete Angriff in der Branche, einen breiten Ausverkauf ausgelöst hatte. Ether und der Binance-eigene BNB-Token verloren ebenfalls mehr als 3%. Binance teilte mit, dass Vermögenswerte im Umfang von rund USD 3 Milliarden eingefroren worden seien, und verpflichtete sich, sämtliche Verluste zu erstatten. Vorläufige Erkenntnisse deuteten darauf hin, dass ein Angreifer über den kompromittierten Laptop eines Entwicklers Zugang erlangt hatte. Einzahlungen funktionierten weiterhin, und Binance erwartete, die Auszahlungsdienste innerhalb von 48 Stunden schrittweise wieder aufzunehmen.

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Quelle: ETFWorld